Eheleben und Ehe leben

Ich hatte gestern das Gefühl, das ich über Ehe reden sollte. Es war nicht nur ein kurzer Gedanke oder eine Idee, sondern mehr ein schubsen. Ich habe das ernst genommen und unser Hochzeitsjubiläum zum Anlass genommen, über die Instagramstory, etwas zur Ehe zu sagen. Auch über die Arbeit die dahintersteckt … Es war spontan und ich hab es einfach so wie es war rausgeschickt in die Welt.

Darauf kamen einige rührende Rückmeldungen. Danke dafür! Deshalb möchte ich gerne auch hier darüber schreiben um es festzuhalten und dich daran Anteil haben zu lassen. Es scheint so, dass viele diese Ehrlichkeit und Offenheit gerade brauchen. Mir selber tut es auch gut ab und zu mit engen Freundinnen darüber zu reden. Such dir am Besten Jemand in deinem Freundeskreis mit der du auch über deine Ehe reden kannst. Nicht tratschend, sondern teilend und offen für Ermutigung. Wir werden das noch ein lebenslang brauchen … Vielleicht ist deine Trauzeugin/Trauzeuge eine geeignete Person dafür, oder wer auch immer dir dafür in den Sinn kommt. Ich kann das hier nur anreißen und anstupsen, alles weitere ist dir überlassen.

Hochzeitsversprechen

Ich möchte dir von einem Hochzeitsversprechen erzählen das mich sehr bewegt hat. Es fand nicht zwischen Braut und Bräutigam statt, sondern es war angeleitet von einer Trauzeugin, zwischen Hochzeitsgästen und Brautpaar. Es ist schon ein paar Jahre her, als wir in Australien waren durfte wir bei einer wunderschönen Hochzeit dabei sein. Ich kann mich leider nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, aber beim Fest sagte die Trauzeugin dem Brautpaar, dass sie es nicht alleine schaffen müssen eine gute Ehe zu führen. Das es Menschen geben wird die hinter ihnen als Paar stehen, die sie auffangen werden, ermutigen werden, Zuflucht sein können und für sie beten werden. Die Trauzeugin fragte dann die Hochzeitsgäste wer bereit wäre solche unterstützenden Menschen für das junge Ehepaar zu sein. Nach und nach standen alle Gäste auf und ich war zu Tränen gerührt. Das war so schön und wahr. Zu Zweit wuppt man einiges und erarbeitet sich vieles, aber besser und leichter wird es, wenn Andere einem den Rücken stärken und mitgehen.

Unsere Geschichte

Als ich 16 Jahre alt war bin ich mit meinem Mann zusammengekommen und mit 19 Jahren habe ich ihn geheiratet. Er war noch Student und ich fing kurz nach der Hochzeit meine Ausbildung an. Wir wohnten weit weg von unseren Eltern und begannen als Ehepaar ein neues, eigenes Leben. Man kann wohl gut sagen, dass wir zusammen Erwachsen geworden sind. 🙂

In dem „verflixten“ siebten Ehejahr traf uns das Klischee leider hart. Wir lebten zu der Zeit mit vier Freunden in einem Haus als Kommune zusammen und wir hatten gerade unser zweites Kind bekommen. Unsere Tochter wurde kurz darauf 2 Jahre alt. In der Hausgemeinschaft gab es immer mehr Differenzen und bei meinem Mann lief es auf Arbeit zwischenmenschlich mit einer Person nicht gut. Alle Bereiche in unserem Leben waren also eine Art Ausnahmezustand und eine „Baustelle“ wie wir es bezeichneten. Das wirkte sich natürlich auch auf unsere Stimmung als Paar aus. Ich erinnere mich an einen Moment in dem ich in der Küche stand und dachte: Wir bekommen tatsächlich keinen einzigen normalen Satz miteinander hin. Alles war angespannt und irgendwie traurig.

Bei einem Gespräch mit unserem Gemeindereferenten über die Segnung unseres Sohnes fragten wir ihn auch, ob er uns Jemand zur Eheseelsorge empfehlen könnte. Er nannte uns einen Namen und wir trafen uns kurz darauf mit diesem Ehepaar. Wir schilderten kurz unsere „Baustellen“ und was es mit uns als Paar machte. Sie nickten verständnisvoll mit dem Kopf und meinten: „Kein Wunder, dass es euch gerade so geht. Mit zwei kleinen Kindern ist man einfach erschöpft und dann noch die anderen Komponenten …“. Das.tat.so.gut. Zu hören, dass wir nicht völlig falsch waren, das es gerade einfach viel ist und vor allem auch wieder besser werden kann. Das hat mir schon fast als Hilfe gereicht. Dieses Verständnis und die Hoffnung, das es wieder gut wird.

Input aus der Eheseelsorge

Zwei wichtige Punkte möchte ich dir noch weitergeben die uns in dieser Zeit geraten wurden:

  1. Schau dir an welche „Sprache der Liebe“ dein Partner spricht und füllt euch gegenseitig den Liebestank. (Hier hatte ich darüber für Kinder geschrieben, die Liebessprachen sind aber die Gleichen.)
  2. Macht euch eine Liste mit Verantwortungsbereichen. Zum Beispiel: Auto – Mann, Finanzen – Frau, Einkauf – Mann, Geburtstage – Frau u.s.w.

Das sind wirklich gute Tipps. Sie entschärfen viel Konfliktpotenzial. Das muss nicht heißen, dass die andere Person gar nichts mit dem Thema zutun hat oder nicht mit Entscheidungen trifft. Es entlastet (Stichwort: MentalLoad, dazu schreibe ich noch einen Beitrag) und jeder weiß was zutun ist, aber man kommt sich nicht in die Quere.

Mit den Liebessprachen werden wir wohl auch noch unser Leben lang beschäftigt sein. 🙂 Ich kann auf jeden Fall bestätigen, dass es nicht nur darauf ankommt das man geliebt wird, sondern auch darum das es bei einem richtig ankommt …

Quelle:fotolia

Ich möchte nicht dass es so rüberkommt als wären unsere Kleinkinder daran Schuld gewesen, dass es im Siebten Jahr so gekracht hat bei uns. Die Anfangszeit mit zwei Kindern war einfach nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen sondern mit Schlafmangel und trotzendem Kleinkind auch eine neue Herausforderung. Als wir unser drittes Kind bekamen, war der Schlafmangel keine so große Belastung. Der Rahmen stimmte und es war eine der glücklichsten Zeiten meines Lebens.

Jede Ehe wird ihre Phasen haben in der es kriselt und das darf, meiner Meinung nach, auch sein. Es ist menschlich nicht immer auf Wolke sieben zu schweben. Die Frage ist wie wir da wieder rauskommen und wie wir diese Zeit heil überstehen.

Ehe im Alltag

Wir sind jetzt 14 Jahre verheiratet und ich bin sehr dankbar für meinen Mann an meiner Seite! Wir haben schon einiges miteinander geschafft und haben uns ein schönes Leben aufgebaut. Es gibt viele Gemeinsamkeiten die uns wichtig sind und zusammenschweißen.

Es gibt aber auch Dinge die sich nicht einfach ausschleichen mit der Zeit oder immer wieder hochkommen und einen ärgern. Gewohnheiten und Eigenschaften sind eine zähe Masse. 🙂 Schon bei unserer Traupredigt wurde gesagt, dass wir uns dessen bewusst sind das Ehe auch Arbeit ist. Betonung liegt auf AUCH. Genuss und Wertschätzung soll auch Platz haben, Liebe sowieso! Es gibt aber Zeiten da fühlt es sich vor allem nach Arbeit an und ich merke immer wieder das es Punkte gibt an denen wir einfach nicht weiterkommen. Bei denen drüber reden nicht ausreicht und man irgendwann auch keine Lust mehr hat immer das Gleiche zu besprechen. Kennst du solche Themen?

Ich bin sicher dass es besser geht, schöner. Und ich bin bereit mir dafür wieder Hilfe zu holen. Das heißt nicht das wir versagen oder unsere Entscheidung füreinander, für DIESEN Partner falsch war. Das heißt nur, das Hilfe suchen und annehmen ein richtiger und guter Schritt sein kann, um an einer Ehe gemeinsam zu arbeiten. Ich persönlich finde es gut das in einem Stadium zu machen in dem man sich noch liebevoll in die Augen schauen kann und sagen kann „We got this“.

Wir sind es wert und es lohnt sich!

Unser siebtes Ehejahr hat mir tatsächlich gezeigt, dass man aus Krisen rauskommen kann, unbeschadet. Es gibt nichts in unserer Ehe bei dem ich sagen würde „Ah, das ist noch wegen dem schlimmen Jahr.“ Es klingt so abgedroschen, aber es hat uns wirklich stärker gemacht und zuversichtlich.

Foto von TimJudi

Unterstützung

Ich möchte nochmal auf die Unterstützer und Freunde eingehen, die einen in der Ehe mit zur Seite stehen. Es muss nicht immer ein Therapeut oder Seelsorger sein, der einem das Eheleben erleichtern kann in schwereren Zeiten …

Es gab Momente in denen ich meine Mama anrief und sie bat dass sie bitte für uns als Paar beten. Wenn es uns mal wirklich nicht gut geht, weiß ich dass meine Eltern das für uns tun und das ist großartig. Einmal schrieb ich ihr das wir Gebet brauchen und kurz darauf rief meine Mama mich an. Sie meinte sie seinen in der Nähe gerade im Urlaub und hätten ein schönes Ausflugsziel in der Mitte der Strecke zu uns entdeckt und ob wir uns dort treffen wollen. Wir packten also unsere Kinder zusammen und machten spontan einen Tagesausflug mit meinen Eltern (normalerweise wohnen sie 500 km von uns entfernt, es war also was ganz Besonderes). Ich war baff. Gerade erzählte ich noch, dass es uns gerade zusammen nicht gut geht und anstatt den Streithähnen dann lieber aus dem Weg zu gehen suchten sie unsere Nähe. Und mehr noch: sie schenkten uns einen schönen Tag zusammen! Wir hatten eine entspannte Zeit mit schönen Momenten die uns auch als Paar erfrischten.

So kann auch Rücken stärken und Unterstützung aussehen. Das löst vielleicht keine großen Probleme, aber es stärkt die Basis. Oder man bietet an Babysitter zu sein bei einem Paar um ihnen ein besonderes Date zu ermöglichen. Fällt dir noch etwas ein wie wir uns gegenseitig durch Krisen helfen können? Gäbe es etwas was du dir wünschen würdest und eine Hilfe sein könnte? Schreib es gerne in die Kommentare. Ich fände es großartig, wenn wir zu solchen Freunden werden!

kurz und knapp

In meiner am Anfang erwähnten Story schrieb ich folgende Punkte am Ende als Zusammenfassung:

  1. Ehe besteht nicht nur aus Spaß und Liebe, sondern auch aus viel Arbeit und einer Entscheidung für den Partner (immer wieder).
  2. Lasst euch helfen, wenn ihr nicht weiterkommt. (Du machst das sicher auch in anderen Lebensbereichen. Warum dann nicht auch dafür?!)
  3. Eltern sein, Paar bleiben! (Das erfordert manchmal eine Extraportion Kreativität. Hier eine kleine Anregung mit „DateNights daheim„.)
  4. Es lohnt sich!
  5. Ergänzung aus einem tollen Blogartikel von Constanze: „Eine gesunde Ehe (…) bedeutet auch jede Menge Vergebung, Gebet und in manchen Fällen auch eine gute Portion externe Beratung.“

Außerdem zu empfehlen …

Eine Buchempfehlung möchte ich noch weitergeben, die ich mal bekommen habe. Im Deutschen ist es dieser Titel:

Mehr Details und bestellbar: hier.

Die Originalfassung in Englisch hat auch ein Gegenstück bei dem der Mann für die Frau betet. Ich hatte mir vor längerer Zeit die Gebetshefte dazu besorgt in denen nur die vorformulierte Gebete für den jeweiligen Partner drinstehen. Ich glaube daran, dass Gott Gebete erhört und sich dadurch auch viel bewegen kann. Nicht nur in schlechten Zeiten, auch in den guten Zeiten!

4 Kommentare zu „Eheleben und Ehe leben“

  1. Sehr schön geschrieben! Ich habe es schon oft erlebt, dass, wenn es bei uns im Getriebe geknirscht hat, es Gott ein großes Anliegen war, dass es wieder zwischen uns in Ordnung kommt.
    Es kam gar nicht so weit, dass wir mit anderen Leuten geredet haben, sondern ich habe innerlich zu Gott geschrien und das hat bei uns beiden dann etwas ausgelöst, dass die Sache recht schnell wieder in Ordnung kam. So schnelle Gebetserhörungen habe ich selten erlebt. Deshalb glaube ich, dass Gott eine gesunde Ehe extrem wichtig ist.
    Aber wenn man Menschen hat, mit denen man darüber sprechen kann, ist das natürlich auch eine gute Sache!
    Liebe Grüße!

    1. Danke dir für’s teilen! Schön zu hören, dass Gott in eurer Ehe so toll wirkt. Wünsch euch weiterhin, dass ihr immer wieder zueinander findet und euer Band bestehen bleibt.

  2. Liebe Sonja,

    Vielen Dank fürs Teilen – über das Thema Ehe gibt es nie genug gute und so ermutigende authentische Beiträge. Du und Gün, ihr seid zwei ganz besondere Herzensmenschen und ich bete Gottes Schutz auch weiterhin um Euch und Eure wunderbare Familie!

    1. Dankeschön, du Liebe! Das schätzen wir sehr!
      Mir wurde die Priorität einer gesunden Ehe auch nochmal neu bewusst und ich werde nicht nur für unsere Ehe weiter beten …

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